Ausstellung Mit Loki in die Welt

Ausstellungsorte:

30.08.2019 – 20.10.2019
Museum für Hamburgische Geschichte

Holstenwall 24
20355 Hamburg

Öffnungszeiten:
Montag 10 – 17 Uhr
Dienstags geschlossen
Mittwoch bis Freitag 10 – 17 Uhr
Samstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
(Karte)

27.10.2019 – 28.02.2020
Boberger Dünenhaus
Loki Schmidt Stiftung
Boberger Furt 50
21033 Hamburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag  9 – 13 Uhr
Sonn- und feiertags 11 – 17 Uhr
(Karte)

Loki Schmidt war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des bundesrepublikanischen Naturschutzes. In der Ausstellung begleiten wir Loki Schmidt auf ihrer Lebensreise, die vor allem geprägt war durch ihre besondere Liebe zu Pflanzen, ihre Faszination für alles Natürliche und eine große Neugier auf die Welt.

Die Ausstellung gliedert sich in drei wesentliche Abschnitte:

Kindheit, Jugend, Kriegs- und Nachkriegszeit

Hannelore Schmidt (geb. Glaser) wächst im Hamburger Arbeiterstadtteil Hammerbrook in bescheidenen Verhältnissen auf. Als Kind gibt sie sich selbst den Spitznamen „Loki“. Schon als kleines Mädchen zeigt sie ein besonderes Interesse an Pflanzen, welches auch durch die traditionellen Sonntags-Spaziergänge mit ihren Eltern zum botanischen Garten genährt wird.

Erste kleinere „Reisen“ macht sie als Kind nach Neugraben, wo sie den Sommer auf dem Grundstück ihrer Großeltern verbringt. Der Besuch der Lichtwark-Reformschule führt nicht nur dazu, dass sie dort ihren Mitschüler Helmut Schmidt kennen lernt, sondern hat auch einen besonderen Einfluss auf Ihr späteres pädagogisches Wirken. Ihr Wunsch, Biologie zu studieren, scheitert an den Studiengebühren, worauf sie Pädagogik für das Lehramt für Volksschulen studiert.

Nationale und internationale Naturschützerin

Zwischen 1974 und 1982 nimmt Loki Schmidt protokollarische Aufgaben als Ehefrau des Bundeskanzlers wahr und engagiert sich zunehmend für den Pflanzen- und Naturschutz. Nach dem Ende der Kanzlerschaft verstärkt sie ihren Einsatz für gefährdete Pflanzen noch und lässt sich unter anderem in die Deputation der damaligen Behörde für Bezirksangelegenheiten, Naturschutz und Umweltgestaltung in Hamburg wählen.

Über Jahre wirkt sie bei wissenschaftlichen Forschungsreisen mit, unter anderem nach Kenia, auf die Galapagos-Inseln, nach Ecuador, in die Antarktis, Malaysia, Nordborneo oder Brasilien.

Seit 1976 unternimmt Loki Schmidt insgesamt 19 verschiedenen Reisen und Expeditionen auf eigene Kosten, bei denen es ihr von besonderer Bedeutung ist, dass sie von Wissenschaftlern begleitet wird oder diese an ihren fernen Forschungsstationen besucht.

Von diesen Reisen sind neben der wissenschaftlichen Dokumentation viele Zeichnungen, Ausschnitte aus ihren Reisetagebüchern, Zeitungsartikel, besondere Pflanzensamen und auch Herbarmaterial vorhanden.

In der Ausstellung ist das weite Spektrum Loki Schmidts internationaler Reisen abgedeckt; auch ihre erste Expedition im Januar 1976 zum Nakuru-See, Kenia ist dokumentiert. Ziel dieser Reise und Zusammenarbeit mit Forschern des Max-Planck-Instituts ist die Erfassung der Vegetation im Einzugsgebiet des Pied-Eisvogels und des Malachit-Eisvogels.

Loki Schmidt ist stets voller Wissensdurst und Reiselust. Im Jahr 1989 fährt sie nach Namibia; das Hamburger Abendblatt schreibt: „“Loki Schmidt wird 70 – in der Wüste“.

In Namibia forscht sie zu einem der langlebigsten Gewächse der Erde, der Welwitschie, bekannt als lebende Fossilie. Die Welwitschie sehen abenteuerlich aus, weil sie ihr ganzes Leben lang nur zwei Blätter produzieren. Loki notiert: „Mich haben die immer an alte Lastwagenreifen oder ein Riesenwischtuch erinnert“.

Eine der letzten Reisen Loki Schmidts, die in der Ausstellung dokumentiert sind, führt 1989 in die Antarktis. In der Schmidt-Biographie von Prof. Reiner Lehberger heißt es:“ Am besten gefiel ihr die polnische Station, wo sie mit einem frischen Blumenstrauß aus dem eigenen Gewächshaus begrüßt worden war. Unter diesem einzigartigen Gewächshaus entdeckte sie das Poa annua, das einfährige Rispengras – in den gemäßigten Zonen ein Allerweltsgras, in der Antarktis aber war es bislang nicht nachgewiesen worden.“

Sie entdeckte unbekannte Pflanzen- und Tierarten, die heute ihren Namen tragen und bereitete jede Reise akribisch vor und nach. In Deutschland warb sie unermüdlich für den Schutz der heimischen Wildpflanzen und startete viele vorbildliche Naturschutzprojekte, die bis heute bestehen.

Was bleibt und gedeiht

Heute tragen viele Einrichtungen Loki Schmidts Namen und arbeiten in ihrem Sinne weiter, darunter ein Garten, ein Gewächshaus, ein Museum, eine Genbank und die Loki Schmidt Stiftung. Gemeinsame Themen dieser Institutionen sind die Biodiversität von Pflanzen und der Artenschutz.

Auch verschiedene, zum Teil von ihr selbst entdeckte Pflanzenarten, ein Skorpion sowie eine Schule tragen ihren Namen. Durch ihre Bücher, Vorträge und Fernsehauftritte, vor allem aber auch durch ihr engagiertes, hartnäckiges, bestimmtes und doch freundliches Wesen hat sie dem Schutz unserer Natur viele Türen geöffnet und zahlreiche Menschen für ihr Anliegen gewonnen. Dadurch hat sie unser Land verändert.

Die Ausstellung soll dieses besondere Wirken in Erinnerung rufen, würdigen und nachfolgende Generationen auch weiterhin für die Thematik begeistern. Es gilt, das Erbe von Loki Schmidt langfristig zu sichern und weiter zu entwickeln und neue Interessenten und Akteure für den Naturschutz und die Botanik zu gewinnen.

Vielleicht bin ich das typische Großstadthinterhofkind, dass uneingestandene Sehnsucht nach Grün und Pflanzen gehabt hat. Und danach, dass es endlich wieder anfängt zu wachsen draußen. Man kann alles so wunderschön miterleben , weil es noch so langsam vorangeht mit dem Vorfrühling: Man kann zugucken bei allem.

Frühling, Loki Schmidt